Dies wollte ich Euch nicht vorenthalten:
1. April 2009
UNIVERSITÄT BAMBERG PLANT ASSESSMENT-CENTER FÜR BISCHÖFE
In einem neu gegründeten Unternehmen sollen kirchliche Amtsträger besser auf Führungsaufgaben vorbereitet werden
Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg will ein Unternehmen gründen, das in Form eines Service-Centers organisiert ist, wie es in Kreisen der Wirtschaft üblich ist. Die spezielle Dienstleistung, die man in Bamberg künftig anbieten will, ist ein Assessment-Center für Bischöfe und kirchliche Funktionsträger.
In der Wirtschaft wird die Dienstleistung von Assessment-Centern in Anspruch genommen, wenn man Führungskräfte sucht und in strukturierten Auswahlverfahren diejenigen unter mehreren Bewerbern ermitteln will, die den Anforderungen des Unternehmens am besten entsprechen. Dazu werden die Bewerber vor verschiedene Probleme gestellt und im Umgang mit diesen bewertet.
Hier setzt auch die Universität an. Die jüngste Vergangenheit habe hinreichend gezeigt, dass die Kirchen dringend ein alternatives Auswahlsystem benötigen. "Sie brauchen zuverlässigere Voraussagen für die Amtsführung", betont der Präsident der Universität, Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert. Der Glaube, der Heilige Geist werde das schon richten, sei zwar zu respektieren, angesichts so mancher Fehlleistungen und Fehleinschätzungen kirchlicher Amtsträger könne diese Position aber auch zynische Züge annehmen. Andere Universitäten machen Wirtschaftsberatungsfirmen auf, da liegt es im katholischen Bamberg nahe, ein Beratungsunternehmen aufzubauen, das sich zunächst einmal an die Kirchen wendet. Die gute ökumenische Atmosphäre an der Universität verbietet es, die Dienstleistungen nur der katholischen Kirche anzubieten. Selbstverständlich werde auch die Zusammenarbeit mit den evangelischen Landeskirchen gesucht.
Sich ausgerechnet in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation auf das Feld des Unternehmertums zu begeben, hält Präsident Ruppert nicht für problematisch: "Schließlich ist es immer noch ein Unterschied, ob ich die wirtschaftliche Nähe zu Lehman Brothers oder zu Kardinal Lehmann suche." Die Kirchen seien verlässliche Partner, das wirtschaftliche Risiko für die Universität gut kalkulierbar. Die Frage, ob die Universität hier ein neues Betätigungsfeld für die Theologen suche, nachdem ab 1. Oktober die Fakultät Katholische Theologie ruhen und als Institut in der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften weitergeführt wird, verneint der Präsident. "Die theologischen Positionen und die theologischen Fähigkeiten der Kandidaten sind in der Regel hinreichend bekannt." Erheblich schwieriger seien die Einschätzungen etwa mit Blick auf Wirtschaftskenntnisse, Managementfähigkeiten, Personalführung oder auch Kameratauglichkeit. Hier sollen Theologen, Wirtschaftswissenschaftler, Psychologen und Kommunikationswissenschaftler zusammenarbeiten, eine verlässliche Einschätzung vorlegen und ein Coaching anbieten.
"Ein solches Unternehmen passt perfekt in unser Profilspektrum", betont Präsident Ruppert nachdrücklich. "Wenn die Erfahrungen positiv sind, können wir das Betätigungsfeld schnell und kompetent ausweiten." Grundqualifikationen für Führungspositionen seien schließlich bei Oberbürgermeistern, Regierungspräsidenten oder Ministern nicht grundsätzlich verschieden von denen für Bischöfe, "übrigens auch nicht für Universitätspräsidenten", fügt Ruppert hinzu. Dass er hier nicht ganz falsch liegen kann, wird deutlich, wenn man sich an die Katholische Universität Eichstätt und die gescheiterte Präsidentensuche im letzten Jahr erinnert.
Komisch, dass diese meldung am 1.April kommt... :-)
Strandwurm - 1. Apr, 09:20